Wie wahrscheinlich fast jeder andere Sinologe höre ich ständig die Fragen: „Du studierst Chinesisch? Und was willst du später mal damit machen?“ Unter anderem, weil ich diese Frage nicht klar beantworten konnte, wollte ich vor meinem Abschluss noch das eine oder andere Praktikum machen, um die Arbeitswelt und meine eigenen jobtechnischen Interessen besser kennen zu lernen. Das Praktikum sollte natürlich, wenn möglich, in China sein, soviel war mir klar, alles andere würde sich schon irgendwie ergeben.

Beworben habe ich mich übers Internet. Die Webseiten www.kopra.org und http://china.ahk.de/en/home/ sind meiner Meinung nach die besten Adressen. Anfangs hab ich mich ein bisschen von Vorgaben, wie ´BWL Studenten bevorzugt´ und ähnlichem, einschüchtern lassen, aber nach einer Weile hab ich mich einfach überall beworben, wo ich die Stellenbeschreibungen ansprechend fand. Bis ich aber bei meinem Traumpraktikum gelandet bin, war es ein langer Weg. Der erste Versuch war ein totaler Flop, aber ohne diesen hätte ich mich nie bei Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung (DuC) beworben und hätte die Chance verpasst, bei diesem tollen Projekt mitzuwirken.
Lifetime Trading Ltd.
Ein österreichisch-chinesisches Handels- und Consultingunternehmen in Guangzhou bot mir ein Praktikum im Produktmanagement an. Die Rahmenbedingungen bei dieser Firma waren wirklich sehr ansprechend: bezahlte Unterkunft, 250 Euro im Monat, Firmenhandy und bei Erfüllung des Vertrages Erstattung der Flugkosten bis 700 Euro.
Mit Produktmanagement hatte mein Praktikum dort allerdings nicht das Geringste zu tun. In der ersten Woche bestanden meine Aufgaben hauptsächlich darin, Order mit Vorschriften zu lesen und meine Mitpraktikanten bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Dann durfte ich die Urlaubsvertretung für eine der anderen Praktikanten übernehmen, dies beinhaltete vor allem das Übersetzen von Offerten vom Chinesischen ins Deutsche und das Weiterleiten von Kundenanfragen an die Einkäufer und fertiger Offerten an die zuständigen internen Stellen. Außerdem musste jeder Praktikant täglich durch Internetrecherche 25 Adressen potentieller Neukunden für die Kundendatenbank vorweisen. Hatte man 25 neue Adressen gefunden und mit der Datenbank abgeglichen, wurde der Newsletter und eine Firmenvorstellung verschickt.
Nach zwei Wochen bekamen alle Praktikanten die Aufgabe, die Kundendatenbank zu überprüfen und zu korrigieren. Es hatte sich heraus gestellt, dass viele Adressen doppelt vorhanden oder fehlerhaft waren. Also wurde die Liste unter uns aufgeteilt und jeder musste die Adressen in seinem Teil überprüfen. Doppelte und veraltete Adressen wurden gelöscht, falsche und unvollständige Adressen wurden korrigiert und ergänzt. Anschließend haben wir die Liste noch einmal neu aufgeteilt um und gegenseitig zu kontrollieren. Alles in allem, hat diese Arbeit zwei Wochen in Anspruch genommen.
Über Lifetime kann ich sagen, dass ich mein Praktikum dort als nicht sehr produktiv empfunden habe. Meine Hoffnung, einen Einblick hinter die Kulissen eines internationalen Handelsunternehmens zu bekommen blieben im Großen und Ganzen unerfüllt. Ich hatte keinen wirklichen Ansprechpartner, der mich in meine Aufgaben eingearbeitet hätte. Und nach 4 Wochen stand immer noch nicht fest, in welchem Bereich der Firma ich nun hauptsächlich tätig sein sollte. Es schien auch nicht wirklich eine Rolle zu spielen, ob die Praktikanten etwas lernen, solange sie Leitung bringen. Da ich ja aber etwas lernen und neue Erfahrungen sammeln wollte, beschloss ich, zu kündigen und mir ein neues Praktikum zu suchen. Diese Entscheidung führte mich zu DuC nach Peking.
„Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“
Auch wenn das Praktikum bei Lifetime nicht das war, was ich mir erhofft hatte, wollte ich nicht einfach die Flinte ins Korn werfen und heim fliegen, deshalb habe ich mich erneut auf die Suche gemacht. Und zu genau dieser Zeit hat Oliver Radtke für die Onlineredaktion von DuC (http://www.deutschland-und-china.com/index_de.shtml) einen neuen Praktikanten gesucht. „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ ist eine Veranstaltungsreihe des Auswärtigen Amts in China mit dem Ziel, die bilaterale Zusammenarbeit der beiden Länder zu fördern. Partner sind unter anderem das Goethe-Institut und die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“.
Am 1. Juni hatte ich meinen ersten Tag, am 11. sind wir nach Shenyang zur vierten Station der Veranstaltungsreihe. Ich hatte also 10 Tage Zeit, mich in die Basics einzuarbeiten. Anfangs war ich für die Verwaltung und Organisation des deutschsprachigen Veranstaltungskalenders der Station in Shenyang verantwortlich. Es war das erste Mal, dass ich mit einem Content Management System gearbeitet habe, und dann war es auch noch vollständig auf Chinesisch. Trotz meiner Chinesischkenntnisse war das eine echte Herausforderung. Ich musste die Maßnahmenbeschreibungen der Veranstaltungen online stellen und den Kalender regelmäßig updaten. Dafür musste ich mich mit dem Programm und dem verwendeten Quellcode vertraut machen und nebenbei noch die wichtigsten Vokabeln, die Veranstaltungsreihe betreffend, lernen.

Katja Modis bei DuC in Shenyang
Vom 12. bis 20. Juni fand die vierte Station der Veranstaltungsreihe in Shenyang statt. Hier kamen neue Aufgaben für mich hinzu. Eine davon war das Übersetzten der Artikel, die meine chinesischen Kollegen zu den Veranstaltungen geschrieben haben. Später durfte ich auch kleinere Artikel selber schreiben, so habe ich zum Beispiel eine Besucherumfrage gemacht, Bildunterschriften zu Fotostrecken verfasst und das eine oder andere kleinere Interview geführt. Da ich keine Erfahrungen hatte, was Interviews führen und Artikel schreiben angeht, habe ich immer alles ausführlich mit Oliver besprochen, mir von ihm Tipps geben lassen und im Anschluss Kritik abgeholt.
Zurück in Beijing ging es an die Aufbereitung der in Shenyang zusammengetragenen Materialien. Dazu gehörte weiterhin das Übersetzen der chinesischen Artikel, aber auch das Suchen nach Medienberichten über die Station im Internet und das Zusammentragen und Weiterverteilen aller Bilder. Und dann begannen auch schon die Vorbereitungen für die nächste Station in Wuhan. Inzwischen hatten wir auch noch zwei neue Praktikanten bekommen, die ich teilweise auch einarbeiten durfte. Wenn man anderen seine Aufgaben erklären muss, merkt man erst, wie viel man tatsächlich gelernt hat.
Die Arbeit bei DuC hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe viel Neues gelernt. Die Zusammenarbeit im Team war sehr produktiv und aktiv, gleichzeitig wurde von mir erwartet selbstständig zu arbeiten, zu fragen, wenn ich etwas nicht verstanden hatte, aber auch meine eigene Meinung zu sagen, und bei Problemfragen meine eigenen Vorschläge mit einzubringen.
Beide Praktika gaben mir die Gelegenheit, China aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen und mit vielen interessanten Menschen zusammen zu arbeiten. Ich habe gelernt, dass man manchmal Umwege gehen muss, um zu seinem Traumjob zu gelangen.
Katja Modis
Web:





Praktikum in China bei Lifetime Trading Ltd.:
Im Rahmen meines Studiums (Wirtschaftssinologie) absolvierte ich auch ein Praktikum in China und zufälliger Weise verschlug es mich ebenfalls zu Lifetime Trading. Ich allerdings habe sehr positive Erfahrungen mit diesem Unternehmen gemacht.
Natürlich hat mich das bereits angesprochene Angebot sehr angesprochen, aber auch die Kommunikation mit dem Firmeninhaber, der die Praktikanten persönlich auswählt, verlief sehr positiv und zügig.
Es ist durchaus üblich, dass man bei einem Praktikum eine gewisse Einarbeitungszeit hat und sich mit ein paar Regelen und Vorschriften vertraut machen muss (in China gibt es eben ein paar mehr). Nach dieser Einarbeitungszeit ist aber jeder Praktikant (oder später auch Mitarbeiter) für seinen Erfolg selbst verantwortlich.
Wer flexibel ist und es beherrscht, sich schnell in ein neues Umfeld einzugliedern wird bei Lifetime dafür belohnt. Ich habe während der 6 Monate sehr anspruchsvolle Aufgaben in allen Abteilungen der Firma übernommen. Und auch das ist nichts Ungewöhnliches für ein kleines Unternehmen: Die Abteilungen sind nicht so scharf voneinander getrennt wie in großen Konzernen. Das hat natürlich den Vorteil, dass man alle Ecken des Unternehmens kennen lernen kann. Aber auch hier gilt: Man muss als Praktikant neugierig sein und selbstsicher auftreten.
Wer später eine Karriere anstrebt und belastbar ist (und ich denke das ist die Voraussetzung für jegliche Art von Karriere), der ist bei Lifetime richtig aufgehoben. Entsprechende Leistungen werden dort belohnt: mit Boni und Erfahrungen, die einen für’s Leben prägen. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung.
Liebe Maria, Danke Dir sehr für Deine Antwort! Erfahrungsaustausch und Meinungsvielfalt sind uns immer wichtig, damit unsere StudentInnen besser verstehen können, was bei einem Praktikum auf sie zukommt. Die Abteilungen einer Firma können sich dabei sehr unterscheiden. Es freut uns, dass es in deinem Fall gut verlief. Man sollte PraktikanInnen schließlich weder unterfordern, noch überfordern.
Kristina
Praktikum in China bei Lifetime Trading Ltd
Ich schliesse mich der Meinung von Maria an. Auch ich war bei Lifetime als Praktikantin und konnte nur profitieren.
Nach einer üblichen Einarbeitungszeit übernahm ich anspruchsvolle Aufgaben und hatte so Einblick in alle wichtigen Belange. Lifetime Trading Ltd ist ein mittleres Unternehmen, das Praktikanten in alle Bereiche des Geschäftes mit einbezieht. Ob Einkauf, Verkauf oder Marketing: ich konnte überall mitarbeiten. Mein Einsatz wurde übrigens auch durch zusätzliche Boni belohnt. Aber wie immer… ohne Fleiss kein Preis.
Ich kann Lifetime Trading Ltd nur weiterempfehlen! Unterfordert ist hier mit Sicherheit kein Praktikant, sofern er dies nicht will.
Es tut mir leid das zu sagen, aber es hört sich schwer nach Auftrags-Posting an. Sätze wie “Ohne Fleiß kein Preis” finde ich unfair gegenüber Menschen, die man nicht kennt. Situationen im Berufsleben sind nun mal sehr verschieden, Chefs und Abteilungen auch. Was beim Einen gut läuft, kann woanders katastrophal sein.
Liebe Grüße,
Kristina
Cooler Beitrag zu dem Thema, der mit den meisten Informationen denke ich, den ich bis jetzt gelesen habe. War da nicht neulich schon mal ein Bericht in der Zeit drüber? Alles Gute Rosehilde Scheer
Hallo!
Ich werde vorraussichtlich ab 2.August´10 in der Firma Lifetime Trading mein Praktikum absolvieren. Ich habe mit großen Interesse eure Kommentare gelesen.
Natürlich ist es nicht alltäglich ein Praktikum in China zu absolvieren und ich bin auch schon sehr gespannt was mich dort alles erwartet.
Es wäre sehr hilfreich und total nett, wenn ihr mir ein paar nützliche Tipps/Anmerkungen über die Firma geben könntet.
Vielen Dank im Voraus
Im StudiVZ gibt es sogar eine Gruppe zu der Firma!!
Ich kann mich nur Katja anschließen, bzw. ihre Aussage verstärken. Lasst besser die Finger von Lifetime-Trading. Es ist kein Praktikum, in dem man fachlich was lernt. Ich fand das gesamte Unternehmen sehr unseriös. Ständig wurden Leute nach Lust und Leute gefeuert und neu eingestellt, insgesamt eine sehr hohe Fluktuation in dem Laden, keine klaren Aufgabenbereiche, schlechte Kommunikation untereinander…
Erwähnenswert ist auch, dass man jeden morgen/ vor und nach der Mittagspause sich mit Fingerprint bei der Arbeit anmelden muss. Bei Verspätung ab 1 min zahlt man 50 RMB, für Visumsangelegenheiten muss man extra Urlaub nehmen….
Kurz gefasst: ich habe schon viel seltsames gesehen, aber das war mit Abstand der größte Sauladen…
ICH muss sowohl Katja/Agatha wie auch Maria/Jessika beisteuern…. der Fingerprint hat mich auch enorm gestört, militärisch, als Praktikant musst Du jedoch schon 15 min, also um 8.45 Uhr auf der Matte stehen, die Westlichen sollen als Model vorgezeigt werden, die RMB 50.– werden aber erst ab 9.01 Uhr verlangt! Die Einführung war gem. GM nötig(die HR-Dame hatte dies persönlich eingeführt… Übernahme von Ihrer Vorgängerfirma(China Southern)… hat sogar RMB 500.– die Idee und Einführung bekommen(nachlesbar im Ideenbox-Buch) ausgewählt vom ganzen Team
, die Verpätungen, waren nur so in den Griff zu bekommen, da die Anfahrtswege der Einzelnen Personen tlw. enorm waren(bis zu 2 1/2 Stunden..), Visaproblem muss in Deutschland gelöst werden, sonst hat man wirklich ein Zeitproblem, 1 Tag bekommt man während der Arbeitszeit bezahlt, der Rest gilt als Urlaub, jeder sollte gleich mit dem richtigen Visum aus Deutschland anreisen, den neben der Urlaubsstrafe muss man Aids Tests und stundenlanges Schlange Stehen in Kauf nehmen.. dies ist so meinem Zimmerpartner passiert… Touristenvisum verlangen…. kein Business Visum…. nachträglich geht es nicht mehr auch nicht in Hong Kong oder Macao… hier zocken dich die Behörden nur mit kurzfristigen Visa`s ab.. Lifetime verlangt enormen Einsatz….. lernen kann man nur, wenn man wirklich Eigeninitiative an den Tag bringt…. macht man dies…. ist es sicher eine enorme Berreicherung…. der Chef, ein 1/2 Österreicher und 1/2 Schweizer kennt nur SEHR GUT oder SCHLECHT(Verzeichung Chef…) zeigst Du Interesse lernst Du enorm viel….. zeigst Du kein Interesse oder keine Eigeninitiative…. wirst du in die Ablage verbannt… fast wöchentliche Aktivitäten mit der ganzen Crew stabilisieren das Teamwork…. lustig und erst noch gratis…. alle RMB`s fürs zu spät kommen, werden in einem Ausflug mit allen Mitarbeitern verwendet….